Tag 1022 – Sinquefield Cup (1 bis 5) – Halbzeit

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Sinquefield Cup 2014

Halbzeit beim Supergroßmeisterturnier dem Sinquefield Cup in Saint Louis – und jetzt muss ich doch ‚mal ‚einhaken‘, denn dort wird gerade ‚Schachgeschichte‘ geschrieben!

Nein, es ist nicht vom Weltmeister und ‚Überflieger‘ Magnus Carlsen die Rede, sondern derzeit bricht Fabiano Caruana alle Rekorde. In das bis dato stärkste Turnier aller Zeiten (ELO-Schnitt: 2801!!) startet Caruana mit unglaublichen 5 aus 5 und einer ELO-Performance von 3601 – Wahnsinn!!

Hier vorab der momentane Turnierstand nach 5 Runden:

sinquefield-tabelle-runde-5

Die Siege Caruanas sind nun wahrlich nicht vom ‚Himmel‘ gefallen, sein starkes kreatives und druckvolles Spiel wird belohnt – gehen wir doch mal die einzelnen Partien durch…

1.Runde: Veselin Topalov – Fabiano Caruana 0-1

Tja, schon bald wird Topalov seinen ‚ungestümen‘ Bauernvorstoß 17.g4? bereut haben. Absolut beeindruckend wie Caruana diese Königsschwächung nutzt und die weiße Stellung in ‚Schutt und Asche‘ legt.

2.Runde: Fabiano Caruana – Maxime Vachier-Lagrave 1-0

Puh, was für ein sinnnverwirrender Tumult – wohl ein Triumpf der Eröffnungsvorbereitung!
Caruana gibt zwei Bauern, um maximale Figurenaktivität zu erhalten und Vachier-Lagrave an seiner Entwicklung zu hindern. Zudem signalisiert Caruana mit seinem schnellen Spiel: „Sieh‘ her, ich befinde mich immer noch in meiner ‚Heimanalyse‘!“ Vachier-Lagrave ist dem nicht gewachsen und bricht nach dem ‚unpräzisen‘ 17…Sh6? (besser 17…Db4!?) und Caruanas starkem 20.Sxe4! und 21.Dxa5! schnell zusammen.

3.Runde: Magnus Carlsen – Fabiano Caruana 0-1

Fabiano Caruana punktet mit Schwarz gegen den Weltmeister!
Nach einer nicht sonderlich gelungenen Eröffnung, versucht Carlsen mit einem ‚optisch‘ spektakulären Figurenopfer 15.Lxf7!? seinen Gegner zu beeindrucken, doch Caruana bleibt eiskalt – er nimmt die Herausforderung an, wehrt die scheinbar große Initiative Carlsens mithilfe taktischer Feinheiten (19…Lg4! / 20…Sd3!) und  geschickter Materialrückgabe ab.

Carlsen setzt alles auf seinen Freibauern, doch seine stark geschwächte Königsstellung wird ihm zum Verhängnis – wahrlich meisterlich, wie Caruana Verteidigungs- und Angriffszüge mit einander verbindet (z.B. 30…Dh5!).

Zwar patzt Carlsen mit 31.Sh2?? natürlich fürchterlich, aber auch das Bessere 31.Dh2, führt letztlich in ein sehr verlustträchtiges Endspiel.

4.Runde: Fabiano Caruana – Levon Aronian 1-0

Die ‚Eröffnungslaviererei‘ (15.Sa2 /17.Teb1 / 18.Sc1 / 19.Sb3) versteht zwar kein ‚Normalsterblicher‘, aber was dann folgt ist eine wahre Glanzleistung Caruanas!

Sein phantastisches positionelles Figurenopfer (30.Sxe5!!) auf ‚lange Sicht‘, zeugt von einem tiefen Stellungsverständnis. Aronians ins Abseits geratene Springerpaar am Damenflügel findet nicht mehr rechtzeitig ins Spiel zurück, so dass Caruanas wuchtige Bauernvormärsche (40.g4 / 41.f5-f6-f7) Aronian am Königsflügel erdrücken – eine Partie zum Einrahmen!

5.Runde: Hikaru Nakamura – Fabiano Caruana 0-1

Im Vorfeld ließ Nakamura keine Gelegenheit aus, auf seinen exzellenten Score gegen Caruana aufmerksam zu machen – gut ‚gebrüllt Löwe‘ – Taten folgten aber nicht… 😉

Zunächst agieren beide Kontrahenten recht vorsichtig und die statische Bauernformation lässt eine baldige Punkteteilung vermuten. Doch nach den starken positionellen Zügen 32…Tc4! und 33…Sc7! übernimmt Caruana die Initiative – Nakamura verliert indes schnell die Geduld sich in ein schwieriges Verteidigungsspiel zu fügen und bringt ein mehr als zweifelhaftes Bauernopfer (35.h3?), als er kurz darauf auch noch seine beiden Türme für die Dame gibt (42.Lf2?), ist Caruana endgültig auf der Siegerstraße. Nakamura ‚fischt‘ noch eine ganze Weile im ‚Trüben‘, aber Caruana konsolidiert sich nach und nach und bringt seinen Materialvorteil sicher nach ‚Hause‘.

Die Partien zeigen eindrucksvoll, dass Fabiano Caruana völlig zu Recht mit dieser Deutlichkeit führt! Heute ist Ruhetag und man darf gespannt sein, wie ’seine Reise‘ weitergeht… – lässt er das Turnier ‚austrudeln‘? Spielt er weiter auf Sieg…?

An dieser Stelle möchte ich auf die wirklich ausgezeichnete Präsentation des Turniers hinweisen – das ‚Analysteam‘ Jennifer Shahade, Yasser Seirawan und Maurice Ashley leisten einen vorzüglichen ‚Job‘ – spannend, unterhaltsam und kompetent – ja und selbst mit meinem sehr eingeschränkten Englischkenntnissen kann ich gut folgen…  😉   – so macht Schach Spass…! 🙂

So far…

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