Tag 603 – Floh on Tour – Update

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Verbandsschnellschachmeisterschaft in Plettenberg

Kein Wölkchen am Himmel, 25 Grad – Tendenz steigend. Was für eine elende Gemeinheit!

Lockt doch Freibad und Biergarten heute bei weitem mehr, als stundenlanges Grübeln über Holzfiguren in überhitzten Räumlichkeiten. Schach im Sommer ist einfach nur doof… 😉

Tja, es hilft ja nichts, da muss ich jetzt durch oder hätte ich mich doch der gut nachvollziehbaren Absagenflut anschliessen sollen…? Nix da – als ‚grenzenloser Idealist‘ geht’s gleich nach Plettenberg zur Verbandsschnellschachmeisterschaft.

Aber wie ich mich kenne, folgt die ‚Reue‘ dann spätestens ab 40 Grad Innenraumtemperatur…
Doch Moment mal, da fällt mir etwas ein… – vor einigen Jahren gewann Norbert Bruchmann die Meisterschaft bei ähnlichen Bedingungen, weil – ja weil er als einziger eine kurze Hose anhatte.  😉  Den ‚Trick‘ probiere ich heute auch – mal schauen, ob’s hilft… – später mehr…

Update:
Hm, hab‘ ja ‚mal kurz überlegt, ob mein ‚desasterhaftes Dilemma‘ überhaupt veröffentlichkeitswürdig ist, aber ok, gönn‘ ich euch die Schadenfreude… 😉

+++ Abfahrt gegen 11.45 Uhr +++
Also die Hinfahrt ist ja mal wieder eine Katastrophe… – mein fehlendes ‚Orientierungs-Gen‘ habe ich sicherlich schon erwähnt, so dass ich auf ‚Gedeih und Verderb‘ auf ein veraltetes Navigationsystem angewiesen bin (vielleicht sollte ich mir ja doch mal ein Karten-Update gönnen). Und dieses schickt mich gen Plettenberg in schöner Regelmäßigkeit über ‚Felder und Wiesen‘ und zeigt dabei die halbe Zeit ‚Offroad‘ an.

Für einen gemütlichen, sonntäglichen Picknickausflug ganz schön, aber nicht wenn die Zeit ‚drückt‘ und mehrfache Wendemanöver eher lästig sind – zu allem Überfluss neigt sich auch noch gefährlich die Tanknadel, was einen zusätzlichen Zwischenstopp erzwingt.

+++ Ankunft gegen 13.05 Uhr +++
Endlich angekommen – und siehe da, meine Verspätung ist weit weniger tragisch als gedacht, denn aufgrund eines schweren Unfalls – Höhe Herscheid, der eine Vollsperrung nach sich zieht, fehlen noch einige Teilnehmer, so dass sich der Beginn fast eine halbe Stunde verzögert.

+++ Spielbeginn gegen 13.30 Uhr +++
So – los geht’s – 7 Runden á 25 Minuten – und es ist echt ‚mörderisch‘ heiß…

1.Runde: Schachfloh – Wolfram Tesche (1877) 0:1
Tja, was soll ich sagen, ‚der Schachfloh‘ und das Angriffsschach, das ist schon so eine Geschichte für sich…
Gegen ‚Altmeister‘ Wolfram Tesche läuft’s anfänglich ausgezeichnet – alles ist optimal vorbereitet für die finale Schlussattacke. Doch – der entscheidende Gedanke zündet einfach nicht…

2.Runde: Norbert Bruchmann (2014) – Schachfloh 1:0
Es folgt eine gar grauselige Partie – zunächst geht’s noch recht ‚flüssig‘ voran, habe ich meinem Gegner doch alsbald gut 10 Minuten abgenommen. Ja, aber was nützt das alles, wenn man dann einen einzügigen Bauernverlust übersieht.  Oh je, und dann entscheide ich mich auch noch für den falschen Bauern, den ich geben muss und meine Stellung bröselt wie ein altgewordener Streuselkuchen auseinander – würg…

3.Runde: Schachfloh – Christian Olsson (1536) 1:0
0:2, das nenne ich ja mal einen Traumstart. Mensch, jetzt reiß‘ dich mal zusammen!
Da das mit dem ‚Rechnen‘ bei dieser Wärme wohl nicht so recht klappt, versuche ich die Partie dieses Mal streng positionell anzulegen. Ja, und das sieht schon wesentlich besser aus. Schnell gewinne ich einen Bauern, bei einer zudem vorteilhafteren Bauernstruktur. Der Übergang ins Endspiel gelingt und mein mächtiges Bauernzentrum entscheidet die Partie – na, es geht doch…!

4.Runde: Wolfgang Deinert (1683) – Schachfloh 0:1
Gleiche Strategie – trockenes Positionsspiel. Schnell werden die Damen getauscht und nach zwei kleinen Fehlern, kann ich zwei Mehrbauern mein eigen nennen. Ja und der ‚Schlussakord‘ ist ganz ’nett‘.

5.Runde: Benedikt Schneider (1830) – Schachfloh 0:1
Weiter geht die Aufholjagd! Aber Vorsicht – gegen Benedikt Schneider hab‘ ich auf ‚Bezirksebene‘ nur mit ‚Ach und Krach‘ ein Remis geschafft.

Erneut ein ruhiger, strategischer Aufbau und die ‚Disharmonie‘ der gegnerischen Figuren nutze ich, um Raumvorteil am Damenflügel zu erlangen und einen ‚furchteinflößenden‘ Springer im Zentrum ‚einzupflanzen‘. Mit einer hübschen, kleinen Kombination gewinne ich dann die Qualität und letztlich auch die Partie.

6.Runde: Schachfloh – Tugay Evsan (1918) remis
In Runde sechs treffe ich auf den mir bis dato gänzlich unbekannten Nachwuchsspieler Tugay Evsan – und ich muss sagen, ‚er‘ spielt verdammt gut. Allerdings muss ich mir den Vorwurf gefallen lassen, warum ich plötzlich meinen ‚Fahrplan‘ ändere und mich auf eine taktische ‚Schlacht‘ einlasse – selten dämlich…
Schon in der Eröffnung bringt Evsan ein chancenreiches Springeropfer und ‚fegt‘ mein komplettes Zentrum weg, zudem muss ich um meinen ‚entblößten‘ König fürchten. In der Hoffnung durch Abtäusche den gegnerischen Druck mildern zu können, gerate ich in einen folgenschweren Doppelangriff, der eine Figur kostet – autsch! Evsan tauscht die Damen und verbleibt mit zwei satten Mehrbauern in einem Turmendspiel. Was mein Gegenüber aber vorher so gut gemacht hat, misslingt ihm hier völlig und wir erreichen folgenden Stellung:

Das ist natürlich eine klare, theoretische Remisstellung – jedoch fühlt sich mein junger Gegner tatsächlich genötigt, ‚dies‘ weiter zu spielen, ganz offensichtlich, um mich über die ‚Zeit zu heben‘ – ‚pfui‘, möchte man da sagen! 25, 30 Züge wird sinnlos hin- und hergezogen und mehrfache Remisangebote meinerseits bleiben unkommentiert. Auch ein Protest bleibt zunächst unerhört, da ich wohl nicht die ‚amtliche Formulierung‘ (…“hiermit beantrage ich ein Remis…“) wähle. Fast hätte ich daraufhin einfach aufgegeben, als in der Konstellation K+T vs. K+T Spielleiter Kai Lück dem absurden Treiben endlich ein Ende setzt.

Jugendlicher Ehrgeiz in Ehren, aber vielleicht sollte man neben dem Wunsch gutes Schach spielen zu wollen, im Training auch mal ein paar ‚Stunden Fairness‘ einfliessen lassen!

7.Runde: Rolf Hunold – Schachfloh 0:1
So – Puls ‚runterfahren‘ und zurück zur heute erfolgreichen Strategie.
Zwar gerate ich gegen Rolf Hunold in eine leicht gedrückte Stellung, dafür gelingt alsbald der Übergang in ein Doppelturmendspiel. Als Hunold an einer Stelle nicht energisch genug fortsetzt, kann ich mich vorteilhaft befreien. Ein Turmpaar wird getauscht und als ich in Besitz der einzig offenen Linie gelange, kippt die Partie endgültig zu meinen Gunsten.

+++ gegen 19.30 Uhr +++
Ok, nach dem ‚Fehlstart‘, sind die 4,5 aus 5 nicht schlecht, aber aufgrund der miserablen Buchholz ’springt‘ letztlich doch nur ein enttäuschender 7.Platz heraus. 😕

+++ gegen 20.05 Uhr +++
Noch eine kurze Analyse mit Rolf Hunold, dann Abfahrt – total verschwitzt und mit dickem Kopf… – ich hab’s ja so gewollt… 😉

Fazit:
Die kurze Hose und die Sandalen haben’s dann doch nicht gebracht.. – und, ich bleib dabei: Schach im Sommer ist doof… 😉

In diesem Sinne… – hier noch der Endstand und Glückwunsch an Christian Reiffenrath!vrem-2013

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